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Gothic im Kino Gotthard in Zug

Schöne Aufführung gestern im Kino Gotthard. Der Saal war zwar nur zu einem Drittel voll, aber die Stimmung gut, und das Publikum interessiert. Kamerafrau Bea Huwiler und ich waren vor Ort. Auch die Protagonistin Carmilla Noctem war mit einer Kollegin dabei, was mich besonders freute. Für mich eine Freude, meinen Dokumentarfilm "Gothic" wieder einmal auf der grossen Leinwand zu sehen.

 

Filmaufführung in Zug

Nach längerer Zeit ist es wieder einmal so weit: "Gothic" läuft im Kino. Am 10. April um 20 Uhr im Kino Gotthard in Zug. Ich werde vor Ort sein und würde mich freuen, das eine oder andere bekannte Gesicht zu sehen - und viele unbekannte, die sich für das Thema interessieren.

Heute vor zwei Jahren...



... fand die Premiere im Kino Le Paris in Zürich statt. Ich war vorfreudig und sowas von aufgeregt. Und zu tiefst überzeugt, dass alles, was schief gehen konnte, schief gehen würde. Im Vorfeld hatte ich mit dermassen vielen technischen Pannen zu kämpfen, Computerabsturz, falsches Format auf der Abspiel-BluRay, verlorene Dateien und etliches mehr. Doch oh Wunder, es klappte alles am 31. August 2014. Nicht nur das, es war ein fantastisches Erlebnis, meinen Film auf der grossen Leinwand zu sehen, die Reaktion der Anwesenden mitzukriegen und viele positive Feedbacks zu erhalten. Bald darauf lief "Gothic" in etlichen Kinos als Spezialevent bis Ende 2015. Danach wurde es ruhig um meine Doku. Beim Fernsehen hab ich's inzwischen versucht, leider ohne Erfolg. "Es kommen keine Kritiker und Fachpersonen im Film vor", begründete eine Redaktorin ihre Absage, "es braucht mehr Erklärungen zu den Protagonisten" meinte ein anderer. Ja, ich hätte mich gefreut, der Film wäre im TV ausgestrahlt worden, doch ehrlich - ich bin froh, geben keine Kritiker ihren Senf dazu. Das würde den Film zu einer ernüchternden Sache machen. Und die Fachpersonen? Das sind meiner Meinung nach die Mitwirkenden. Mit anderen Worten: An alle unkonventionellen TV-Redaktoren, die sich auf diese einsame Webseite verirrt haben und gewillt sind, ihrem TV-Publikum ein bisschen Selberdenken zuzumuten - meldet euch, ich freue mich!

"Gothic" unter psychoanalytischer Betrachtung

Am 17. Dezember lief "Gothic" in der Kinemathek Lichtspiel in Bern. Der Film wurde als einer unter vielen anderen Spiel- und Dokumentarfilmen in diesem Jahr im Rahmen der "CinemAnalyse" zum Thema "Unheimlich" gezeigt. Die einführenden (und einfühlenden) Worte sprach die Psychoanalytikerin Dr. Maria Luisa Politta. Zu meiner Freude entpuppten sich die anwesenden PsychoanalytikerInnen als offen und interessiert an der Gothic-Szene. Nach der Filmvorführung gab es Zeit für Fragen aus dem Publikum, was rege genutzt wurde. Übrigens: Wer noch nie in der Kinemathek Lichtspiel war - unbedingt einmal hingehn! Der Dachstock der ehemaligen Strickwarenfabrik beinhaltet eine fantastische Sammlung alter Filmrollen, Projektoren aller Grössen aus der analogen Filmzeit sowie ein Archiv von 20'000 Filmen, darunter seltene Perlen aus der Stummfilmzeit. Ich war restlos begeistert und hätte noch stundenlang in diesem Fundus stöbern können!

"Gothic" läuft im Jugendclub Heiden

Am Freitag, 13. November fand schweizweit in vielen Bibliotheken die Erzählnacht statt. Thema (aufgrund des Datums!) war diesmal "Hexereien und schwarze Katzen". Dies hat die Bibliothek Heiden im Kanton Appenzell zum Anlass genommen, "Gothic" in Zusammenarbeit mit dem Jugendclub zu zeigen. Schöne Stimmung im Jugendclub, interessierte Diskussion mit den Anwesenden und nach dem Film draussen noch feine "Hexensuppe"! Ganz besonders gefreut hat es mich, dass auch im weit entfernten Appenzellerland kohlrabenschwarze Gothics durch die kühlen Herbstnächte wandeln. Zwei wunderbar gestylte junge Damen schauten sich den Film an und waren sogar bereit, Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

"Gothic" wird in einer Kirche gezeigt

Wer hätte das gedacht? Unser Dokumentarfilm hat es sogar in eine Kirche geschafft! Anlässlich der Quartierausstellung Zürich-Altstetten, welche von der Reformierten Kirche aus organisiert wurde, lief "Gothic" als Sonntagnachmittags-Vorführung in der Alten Kirche Altstetten. Eigentlich hatte ich mich für die Gemeinschaftsausstellung gar nicht angemeldet, darum war ich umso erstaunter, als von der Pfarrerin Ulrike Müller persönlich eines Tages ein Mail mit der Frage hereintrudelte, ob ich nicht meinen Film zeigen wollte. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass empfindsame bzw. religiöse Gemüter sich vor so viel Schwarz gruseln könnten, doch sie meinte, genau über solche Themen müsse die Kirche offen sein, zu sprechen. Ich freute mich sehr, dass etwa 50 Leute kamen, viele von ihnen hatte noch nie Kontakt zur Gothic-Szene. Im Anschluss an die Filmvorführung gab es Möglichkeiten für Fragen aus dem Publikum, was rege genutzt wurde. Es waren interessierte, aber auch skeptische Fragen dabei, und für alle hatte es Platz. Wohl weil die Kirche gleich hinter meinem Haus liegt und ich sie jeden Tag sehe, habe ich vergessen, Fotos zu machen. So muss dieser Eintrag leider ohne Bilder auskommen... ;-)

Vorführung an der X-tra Jubiläumsparty

Ja, es hat sich einige Monate nichts getan auf meiner Webseite. Musste zwischenzeitlich Geld mit meinen mörderischen Tätigkeiten als Krimiauorin verdienen, habe Lesungen abgehalten und an einem neuen Projekt (literarischer Art) gefeilt. Um "Gothic" ist es etwas stiller geworden. Dann feierte mitten in der unglaublichen Hitzeperiode die "More than Mode" im X-tra Club Zürich (die langlebigste Party der Stadt) ihr 18-jähriges Jubiläum - Grund für ein schönes, schwarzes und schweisstriefendes Geburtstagsfest bei fast mitternächtlichen 30 Grad. Nebst Sound auf mehreren Floors von MC Arnoldo, Vinz Raven und anderen DJs wurde der Dokfilm "Gothic" gezeigt. Nach fast einem Jahr, in welchem der Film anfänglich häufig und später spärlicher in mehreren Kinos verschiedener Kantone zu sehen war, kehrte er nun dorthin zurück, wo er seine Wurzeln hat: in die Schwarze Szene. Schön war's, einige Film-ProtagonistInnen wieder zu sehen!

Letzte Kino-Vorführung im 2014

Als letzte Vorführung im 2014 machte das kleine, sympathische Independent-Kino "Nische" in Winterthur einen wunderbaren Jahresabschluss. Nach mehreren Nocturnes und Vorführungen in Brugg, Chur, Freienstein und Bern (zum Zweiten), bei denen Kamerafrau Bea und ich zum Teil nicht dabei sein konnten, waren wir im Kino Nische wieder einmal anwesend. Und es hat sich gelohnt! Das Kino im Kulturzentrum "Gaswerk" war übervoll (wie auf dem Foto noch nicht zu sehen ist!), nebst den Sofas, die bald alle besetzt waren, mussten weitere Stühle hergeschleppt werden, und zum Schluss sassen die Leute noch auf der Treppe. Andi, der nach der Filmvorfühung die Moderation für die Fragerunde übernahm, besorgte für den Abend die CD "Ghost Prayers" von The Beauty of Gemina, so dass auch die Musik in der Pause thematisch passte. Schöne Stimmung, offenes Publikum, interessante Fragen, herzliches Willkommen im Kino "Nische" - bei dem man das Engagement aller Beteiligten spürte.

Kinostart im Arthouse Uto, Zürich

Am 23. Oktober 2014 hat "Gothic" seinen Kinostart im Arthouse Uto in Zürich. Nach mehreren Einzelaufführunen und einigen Nocturnes von "Gothic" sowie etlichen Special Events meiner Vorgängerfilme "Crime" (Co-Produktion mit Bea Huwiler"), "Long Time Love" und "Vier Frauen und der Tod" ist "Gothic" nun der erste Kinofilm, der ins offizielle Wochenprogramm aufgenommen worden ist - was mich riesig freut! Dem Tages-Anzeiger war's fast eine ganze Seite wert (siehe Link "Pressestimmen"). Bin gespannt, wie's weitergeht und geniesse nach den arbeitsreichen vergangenen Monaten jetzt die "Ernte".

Film-Vorführungen in verschiedenen Städten

Einen guten Monat nach der Vorpremiere in Zürich haben nun die ersten Vorführungen in mehreren Städten stattgefunden: Im Cinema Luna Frauenfeld, Kino Cinématte Bern, Kino Rex Thun, Kino Passerelle Wattwil und im Cinema Leuzinger Altdorf. Einige der Vorführungen waren Nocturnes, um auch die Nachtschwärmer anzusprechen. Manchmal erschien nur ein familiär kleines Grüppchen Kinobesucher, andere Male waren die Säle schön gefüllt. Und einmal mehr: So erfreulich für mich zu erfahren, dass der Film gut ankommt, dass sich die Schwarze Szene authentisch widergegeben fühlt und dass auch Besucher, die, wie sie mir mitteilen, "eigentlich" bis anhin mit all dem nichts anfangen konnten, nun plötzlich eine Offenheit entwickeln und Vorurteile abbauen können.

Kommende Aufführungen, Presse, DVD-Vertrieb

Anderthalb Wochen nach der Vorpremiere zeichnen sich einige kommende Kino-Vorführungsdaten ab: Mehrere Termine sind fix und mehrere in Planung. Weil Kinoprogramme oft monatelang im Voraus gemacht werden, ist es nicht selbstverständlich, dass eine Eigenproduktion, die nicht ganz ins Herstellungsschema passt, seinen Weg auf die grosse Leinwand findet. Umso mehr freue ich mich über die innovativen Kinobetreiber in Bern, Thurgau, St. Gallen und Zürich, die Freude am Thema haben, etwas wagen und zwischen zwei grossen Produktionen meine kleine schieben. Womit auch ersichtlich ist, wie ich die letzten Tage verbracht habe: Statt in der Hängematte baumelnd mit einen Kokos-Ananas-Drink in der Hand, den Blick in die Ferne gerichtet, das Meeresrauschen im Ohr - hab ich Mails verschickt und telefoniert; und telefoniert und Mails verschickt.
Auch die Medien haben inzwischen einiges gebracht, so dass mein Webmaster den zusätzlichen Link "Pressestimmen" auf dieser Filmseite eingerichtet hat. Und neu kann die DVD bzw. Blu-Ray des Films bei www.cede.ch online bestellt werden. (Mehr auf meinem Link "Infos & Daten".) Es läuft also alles rundum erfreulich! Nur auf den Kokos-Ananas-Drink warte ich noch. Und die Hängematte baumelt auch noch nicht so richtig.

 

Vorpremiere zum Dritten

Vorpremiere zum Zweiten

Ohne Worte, aber ein paar Fotos dazu...

Vorpremiere im Kino Le Paris, Zürich

Einfach wunderschön war sie, die Vorpremiere! Eine intensive Jahresarbeit ist zu einem Abschluss und Höhepunkt gekommen: Arthouse-Kino Le Paris, Zürich, Sonntagsmatinée-Vorstellung, kurz vor dem grossen Regen. Alle Protagonistinnen und Protagonisten waren gekommen, viele von ihnen mit Freunden und Familien. Die Moderation übernahm der bekannte Radiospecher Mike La Marr, der sich als "The Cure"-Fan outete! Den fast komplett ausverkauften grossen Saal füllten etliche im Gothic-Look schwarz gestylte Kinogäste, aber auch viele interessierte "Farbige". Die Stimmung war herzlich, erwartungsvoll, und niemand hörte mein Herzrasen (so viel ich weiss, jedenfalls). Nach so langer Beschäftigung mit einem Film verliert man etwas seine Objektivität, darum sass ich auf heissen Kohlen, bis ich die ersten Rückmeldungen erhielt. Und dann kamen sie und waren einfach überwältigend: Standing Ovation, als der Abspann mit dem Song "Dragon" von "The Beauty of Gemina" über die Leinwand rollte, danach so viele Hände geschüttelt, Gratulationen entgegengenommen, im Freudentaumel geschwebt. Das Schönste für mich ist, dass der Film den Protagonisten, die sich zum ersten Mal in dieser Grösse sahen, gefällt! Damit habe ich eins meiner Ziele erreicht. Aber auch etliche Leute, die vorher keine Ahnung von der Schwarzen Szene hatten oder ihr sogar abweisend oder ängstlich entgegengestanden waren, sind auf mich zugekommen und sagten mir, ich hätte ihnen mit meinem Film eine neue Welt eröffnet, und dass sie ab jetzt Gothics mit anderen Augen sehen würden. Das freut mich sehr! Sicher wird die Vorpremiere mit dieser aussergewöhnlichen Stimmung noch lange in mir nachhallen. Und bald geht's ja weiter, mit Aufführungen in Bern, Frauenfeld und anderen Städten. An dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön an Dave, Patricia, Arnoldo, Chris, Michael, Carmilla Noctem, Dani, Inahea und Anuschka für euren Mut, euch auf dieses Wagnis einzulassen und mir euer Vertrauen entgegen zu bringen.

Letzte Dreharbeiten: Wave-Gotik-Treffen Leipzig

Nun sind sie vorbei, nach über 45 vollen Drehtagen: unsere letzten Dreharbeiten für den Film! Erneut eine gigantische Sache, das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig! Dieses Jahr bei 35 Grad im Schatten (und der war rar!), wobei zu erwähnen ist, dass die edlen Damen in ihren Korsetts um ein Mehrfaches mehr geschwitzt haben als Kamerafrau Bea und ich. Mit "unserem" Film-Liebespaar Carmilla Noctem und Dani sind wir mit dem Zug nach Leipzig gereist, haben zum Glück in einem sehr zentral gelegenen Hotel übernachtet, so dass einerseits das Agra-Gelände mit dem Tram erreichbar war, aber auch alle anderen Veranstaltungen, die wir besuchten. Was nicht fehlen durfte, war das Viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park, für viele das Highlight des Festivals. Wir filmten Dani und Carmilla Noctem, die sich zuvor zwei Stunden lang gestylt hatten. Mit Picknickdecke und einem mit Met, Erdbeeren, Brot und Käse gefüllten Korb machen wir uns auf den Weg. Der Park war bereits recht bevölkert, als wir eintrafen. Und wie immer gab es Outfits in allen klassischen Arten und Formen zu bestaunen, von Reifröcken mit Hütchen, Schleiern und Spitzenschirmchen über Fracks mit Zylindern bis zum Steam Punk. Und wo viele schöne Menschen sind, sind viele Fotografen. Nebst den freundlichen, die nett fragten, ob sie ein Bild schiessen dürften, was meistens gewährt wurde, gab es leider auch die aufdringlichen, ja, penetranten, die die WGT-Besucher in erster Linie als Freiwild anschauten und jeden Anstand vermissen liessen. So hatten wir teilweise unsere liebe Mühe, gute Filmaufnahmen zu machen, bei denen uns nicht immer wieder Fotografen vor die Kamera liefen. Die nächsten Tage fanden Dreharbeiten im Hotel, bei einer Live-Party mit DJ Reaktor-4 im "NonTox" sowie auf dem Karl-Heine-Kanal statt. Die Bootsfahrt beim ältesten Leipziger Familienbetrieb Herold (seit 1888), die wir bei drückenden Temperaturen filmten, wurde begleitet vom äusserst auferksamen Kapitän Herold, der mit keiner Wimper zuckte, als er die gleiche Runde wegen eines Technikfehlers von mir nochmals machen musste. Meine Kamera hatte sich geweigert, in den Aufnahmemodus zu schalten, was ich glücklicherweise kurz darauf gemerkt hatte. So hiess es, Boot wenden, wieder um die Kurve tuckern, ich mit offener Kamera auf die Brücke rennen, zum zweiten Mal filmen, wie der Kapitän mit Dani und Carmilla Noctem unter mir hinduch fuhren - alles im Kasten! Wasser trinken, duschen, umziehen! Nach intensiven WGT-und Filmtagen auf dem Heimweg im Zug bereits die ersten Szenen geschnitten, und trotz massiver Verspätungen der Deutschen Bahn erschöpft und mit schweisstriefenden Kleidern in Zürich eingetroffen.
Juni, Juli und August 2014 ist der Film in der sogenannten Postproduktion: Viele Wochen Schnitt warten auf mich, um aus den Einzelszenen etwas Ganzes zu kreieren, das von Anfang an fesseln soll, einen roten Faden besitzt, Hintergrundinfos mit starken Bildern verbindet und der Musik den Raum im Film gibt, den sie auch in der Schwarzen Szene hat. Nach den Schneidearbeiten folgen das Color Grading von Christian Müller und die Tonabmischung von Mario Marchisella; mit beiden habe ich bereits bei meinen vorherigen Filmen zusammengearbeitet. Sobald "Gothic"  visuell und akustisch den letzten Schliff bekommen hat, wird eine DVD-Produktion in Auftrag gegeben. Werbung, Flyers und Plakate werden gedruckt, Kinoaufführungen organisiert und Filmfestivals angeschrieben. Bevor der Film jedoch durchs Land zieht, die Vorpremiere: Sonntag, 31. August, Kino Le Paris, Zürich!

Musikalische Bereicherung

Nebst "The Beauty of Gemina", die im Film "Gothic" den Grossteil des Soundtracks beisteuern, sind nun zu meiner grossen Freude zwei weitere Bands und ein Einzelmusiker dazugekommen, die mit ihren Songs zur musikalischen Vielseitigkeit des Dokumentarfilms beitragen: Vor einer Weile ist "The Troika" ("A white rose for eternity") mit ins Boot gestiegen, und vor ein paar Tagen habe ich von "Metallspürhunde" die Zusage erhalten, Stücke aus ihrem Album "Moloch" in meinen Film aufnehmen zu können. Heute kam die Musik von Adrian von Ziegler hinzu, dessen Keltische Klänge insbesondere zum Viktorianischen Picknick am Wave-Gotik-Treffen in Leipzig passen. Was üblicherweise mit seitenlangen Verträgen in knallharten Gesprächen ausgehandelt wird, während beide Parteien darauf bedacht sind, ein möglichst grosses Stück des Kuchens zu ergattern, ist hier einmal mehr freundlich, grosszügig und umkompliziert vonstatten gegangen. Wunderbar! Danke an all die Musiker! Und wieder geniesse ich es, frei und ohne Produktionsfirma tätig zu sein.

Dreharbeiten: Lesung aus "Schwarzes Erbe"

Nachdem wir miterlebt hatten, wie die Autorin Patricia Scheurer sich bei einer alten Waldruine für ihre Geschichte inspirieren liess und ihre Notizen später zuhause in den Computer tippte, kam ihre schriftstellerische Arbeit am 26. März 2014 zur Vollendung. Die Buchvernissage war nicht nur eine Augen-, sondern auch eine Ohrenweide. Der X-tra Club Zürich war rappelvoll, als Mäke Kappeler die Gäste begrüsste und Patricia Scheurer zum ersten Mal aus ihrem Buch "Schwarzes Erbe" las. Bea und ich filmten mit drei Kameras, während das Publikum mucksmäuschenstill der Autorin lauschte. Etwa 80 Personen waren gekommen, um in die Welt der Hauptfigur Nathalie einzutauchen. Mit ruhiger Stimme trug die Autorin den Text vor, liess Bilder einer alten Burg entstehen, in der okkulte Rituale gefeiert wurden, und erzählte von mittelalterlichen Szenen, die von Liebe und Verrat handelten. Die Stimmung im Saal war konzentriert und interessiert, die Reaktionen nach der Lesung durchs Band weg positiv. Viele Freunde und Freundinnen gratulierten der Autorin zu ihrem Werk, aus dem, wie sie verriet, vielleicht bald ein zweiter Band wachsen werde. Als das letzte Buch verkauft, die Stühle verräumt und die Mikrophone versorgt waren, verwandelte sich das X-tra wieder in die "More than Mode"-Party wie jeden Mittwoch.
www.schwarzes-erbe.ch / www.x-tra.ch
 

Dreharbeiten: Konzert, The Beauty of Gemina

Nachdem Bea und ich die Band "The Beauty of Gemina" bei ihren Aufnahmen im Tonstudio Hannover gefilmt und die Bandprobe im Alten Kino Mels aufgenommen hatten, folgte am 15. März der filmische Höhepunkt unseres Protagonisten Michael Sele: Die vierköpfige Band stellte im X-tra Zürich ihr neues Album "Ghost Prayers" vor - ein farbenintensives, vielseitiges Programm mit eindrücklicher Lightshow; das Konzert eine Mischung aus bekannten Stücken wie "Suicide Landscape" und "Rumors" sowie neuen Songs wie "Mariannah", "All those Days" und "Darkness". Für diese Dreharbeiten waren wir ausnahmsweise zu dritt: Nebst Bea, die Nahaufnahmen vom Bühnenrand aus machte, und mir, die ich mit einer weiteren Kamera ganz hinten für Bilder aus der Totalen sorgte, erhielten wir Verstärkung von unserem Kollegen Harald Vigano, der Erfahrungen mit etlichen Konzertaufnahmen hat. Am Nachmittag trafen wir ein, waren bei den Vorbereitungen dabei - Soundcheck, Lichtprobe, Kabelschleppen, Besprechungen in letzter Minute, Tontechniker am Mischpult in Acion - platzierten unsere Stative und montierten das externe Mikrophon auf der Empore. Während die Supportband "The Prostitutes" noch spielte, machte Bea Aufnahmen von Backstage. Kurz danach betraten Michael Sele und seine Bandkollegen die Bühne. Dann ging es los mit dem Intro "Run Run Run". Zwei Stunden Musik vom Feinsten, mehrere Zugaben, darunter "Hunters" und "Seven-Day Wonder". Danach widmeten sich "The Beauty of Gemina" den zum Teil von weit her Angereisten und gaben Autogramme, während wir zu dritt mit unseren Kameras die Abschlussbilder einfingen - und die Stimmung zwischen den Musikern und ihrem Publikum, die trotz der Anzahl Fans etwas Familiäres hatte. Halb drei Uhr morgens zu Hause, Akkus aufladen, Bilder einlesen, Speicherplatten kopieren, zufrieden und erschöpft ins Reich der Träume sinken.
www.thebeautyofgemina.com

Webseite steht

Nach mehreren Wochen Vorbereitung, Bildgestaltung besprechen, Schriften vergleichen, Links einfügen und Fotos auswählen steht meine "Gothic"-Filmwebseite! Freude herrscht! Über die etlichen Stunden, in denen ich mich über die Widerborstigkeit meines Computers aufgeregt und ihm mit dem Wurf aus dem Fenster gedroht habe, legen wir hier gnädig den Schleier des Schweigens.

Trailer ist online

Aus Dutzenden von Stunden Filmmaterial dienigen Aufnahmen auszuwählen, die in einen vierminütigen Trailer dürfen, war eine wunderbare, bereichernde, intensive Arbeit - und manchmal eine, die mich zur Verzweiflung trieb. Kam jemand zu oft vor? Jemand zu wenig? Waren die Schwerpunkte richtig gesetzt? Gab dieser kleine Ausschnitt den Filminhalt in Kurzform wider? Machte er neugierig, regte er an? Der Ausdruck "die Qual der Wahl zu haben" bekam eine ganz neue Dimension! Da ich mich glücklich schätzen konnte, den Song "Victims of Love" von "The Beauty of Gemina" verwenden zu dürfen, war nur eines vorgegeben: Der Rhythmus. Für den Trailer meines Films, in dem das Akustische genau so eine wichtige Rolle spielt wie das Visuelle, habe ich mich entschieden, nicht die Musik den Bildern anzupassen, sondern die Bilder der Musik. Das nächtelange Schneiden, Löschen, Einfügen, Abwägen, Vergleichen und mit dem Takt synchronisieren, war ein regelrechter Taumel, eine Trance, ein Tanz! Ich gehe jede Wette ein, dass ich der Mensch auf Erden bin, der "Victims of Love" am häufigsten gehört hat. Und das jedesmal mit Genuss. 
Kaum war der Trailer auf Youtube, sprach sich das in der Facebook-Gemeinde (der ich immer noch nicht angehöre!) herum wie ein Lauffeuer. Ich hatte keine Werbung gemacht, keinen Vermerk auf meiner Haupt-Webseite www.mitradevi.ch eingefügt, lediglich meine ProtagonistInnen informiert, dass es da was zu sehen gäbe. In kürzester Zeit stiegen die Youtube-Aufrufe, und ich konnte es mir nicht verkneifen, alle paar Stunden draufzuklicken und mich an den zwei-, dann drei-, dann vierstelligen Zahlen zu ergötzen.

Fotoshooting für Filmpromotion

Ich hätte nie gedacht, dass es auf Anhieb klappen würde, einen Termin zu finden, der so vielen Leuten passt: Dem Fotografen, dem das Mietstudio gehörte, Bea und mir, und all unseren Mitwirkenden, von denen einige enge Terminkalender mit Konzerten, Auftritten oder Schichtarbeiten hatten. Doch das Glück war uns hold. So trafen wir uns alle zum gemeinsamen Foto-Shooting für das offizielle Filmfoto, mit dem wir "Gothic" in den nächsten Monaten promoten würden. Chris, "unser" Fotograf im Film, bereitete alles vor, nicht ohne ab und zu vor sich hinzumurmeln, Gruppenfotos mit weissem Hintergrund seien nicht so sein Ding (als er das Resultat später sah, konnte er seine Freude jedoch nicht verbergen!). Zusammen mit dem Studio-Inhaber sorgte er für die richtige Beleuchtung, stellte die Schirme auf und machte alles "schussbereit", bevor die anderen ankamen. Dann trafen sie ein: Patrica Scheurer, Michael Sele, Anuschka, Dave, Inahea, Carmilla Noctem, Dani und Arnoldo. Einige kannten sich schon, andere sahen sich zum ersten Mal, da es bis dahin keine Dreharbeiten gegeben hatte, in denen alle gemeinsam aufgetreten waren. Es wurde gepudert, geschminkt, gekämmt, Zylinder aufgesetzt und Fächer aufgeklappt. Als alle in Reih und Glied dastanden, stellte Chris die Kamera ein, übergab sie Bea, sprang ebenfalls zur Gruppe - und Bea drückte ab. So ging das eine Weile, abdrücken, springen, Foto kontrollieren: "Geht nicht, die zwei stehen zu nah / zu weit / zu krumm", "geht nicht, sie macht die Augen zu", "geht ganz und gar nicht, er lacht zu sehr". Irgendwann war das Starfoto geboren. Und dann folgte ein gemütlicher Abend in der nahen Pizzeria, an welchem Beziehungen geknüpft und vertieft wurden.

Dreharbeiten: Interview mit einem Urgestein

Er sei ein "Urgestein" der Schwarzen Szene, hatte ich erfahren, wenn es einen gäbe, der die Ursprünge und Entwicklung der Gothic-Kultur kenne, dann sei das Arnoldo. In einem Café hatte ich ihn bei einem Erstgespräch etwas kennen gelernt und wusste gleich: Ja, ihn möchte ich auch in meinem Film haben. Er erzählte von seinen Jugendjahren in London, von der Zeit der Hippies und der Flower Power, von Punks und Parties, und von Konzerten, die er in den 80-er Jahren auf die Beine gestellt hatte. Wir trafen uns fürs Interview, zu dem er in klassischer Kleidung erschien, obwohl er mit dem Velo durch die halbe Stadt geradelt war. Nach den Aufnahmen waren wir allesamt zufrieden, und Arnoldo schwang sich wieder auf den Sattel und fuhr durch die Januarkälte nach Hause.

Eigenproduktion, Kinos & Verleih

Immer wieder, seit Beginn der Arbeit an diesem Film, hatte ich mich gefragt, ob ich nicht besser mit einer Produktionsfirma zusammenarbeiten sollte. Ein Produzent bzw. eine Produzentin würde dafür sorgen, dass Filmförderungsgelder gesprochen würden, hätte in der Branche Beziehungen, über die ich nicht verfüge, nähme die Werbung unter seine / ihre Fittiche und würde um Aufführungen bemüht sein, so dass ich mich voll dem kreativen Prozess widmen könnte, ohne den ganzen administrativen Kram. Ich machte innerlich mehrmals hin und her, doch irgendwann musste ich mir eingestehen: Ich will selbst entscheiden, was in meinem Film vorkommt, möchte Länge, Inhalt, Musik, ProtagonistInnen und kommende Aufführungen ohne Absprache "mit oben" bestimmen. Ich kann mich schlecht einer Hierarchie unterordnen. Das heisst: Ich habe mich gegen das (mögliche) Geld und für meine Freiheit entschieden. Was nicht bedeutet, dass der Film nicht doch ein finanzieller Erfolg werden kann. Aber es ist für mich nicht die Hauptsache.
Mitte Dezember habe ich trotz meines Alleingangs von 7 Kinos in verschiedenen Schweizer Kantonen das Ok bzw. Interessenbekundungen erhalten, dass sie "Gothic" in ihr Programm aufnehmen würden. Zudem hat sich ein Verleiher gemeldet, der meinen Film, sofern ich das möchte, vertreiben wird. Grund genug für mich, auf diesem Weg weiterzumachen.
Ja, ich bin fasziniert vom Thema und von den Menschen, die ich bei diesem Projekt kennen lerne. Ja, bestimmt tummeln sich nebst all den netten Leuten auch schräge Vögel und fiese Typen in der Schwarzen Szene. Werte wie Toleranz, Authentizität und Respekt, die szenenintern so hochgeachtet sind, werden nicht von allen gelebt. Natürlich gibt es auch Oberflächlichkeit, Eitelkeit und Falschheit. Wie überall auf der Welt. So what? Wieso sollte ich ausgerechnet diese Aspekte filmisch umsetzen, wo ich doch so viel anderes vorfinde? Es existieren genügend Klischees über die Goths – soll ich diese noch nähren? Ich müsse als Regisseurin kritischer sein und meine Begeisterung im Zaum halten, meinte ein Filmemacher, mit dem ich im Gespräch war, zu mir. Ich liess das eine Weile auf mich wirken. Er hatte schliesslich mehr Erfahrung. Und er verdiente gut mit seinen Filmen. Dann sagte ich: "Nein, das muss ich nicht."

Dreharbeiten: Swiss Gothic Night und Giger-Museum

Ich hatte Dave als ruhigen, überlegten Mann kennen gelernt, der nicht viel spricht, und wenn, dann mit leiser Stimme. Ganz anders als sein Redetempo war sein Schrittempo: Bea und ich trafen ihn im Hauptbahnhof Zürich und wollten filmen, wie er quer durch die grosse Halle Richtung Rolltreppe ging. Doch kaum hatte Bea die Kamera auf ihn gerichtet, war er bereits aus dem Bild gerauscht. "Nochmals!", rief ich ihm hinterher. "Bitte etwas langsamer!" Worauf Dave antwortete, wenn er langsam ginge, sei das nicht authentisch. Musste ich gelten lassen. So unternahmen wir mehrere Versuche, bis Bea Daves Geschwindigkeit folgen konnte. Zusammen reisten wir nach Bern und nahmen bei strömendem Regen den Bus zum Schloss Köniz, wo die Swiss Gothic Night stattfand.
Im Januar dann konnten wir die Drehaufnahmen mit Dave im Giger-Museum in Gruyère machen. Erst kurz zuvor hatte ich die Drehbewilligung erhalten, dass wir H.R. Gigers Ausstellung filmen dürften, was mich sehr freute. Die Werke des weltbekannten Künstlers gehören einfach in diesen Film. Dass ich persönlich einige seiner Bilder grenzwertig finde, sagt nichts darüber aus, dass er eine wichtige Figur in der Schwarzen Szene darstellt. Im Museum angekommen, war ich so fasziniert, die Bilder zum ersten Mal in Natura zu sehen, dass die Aufnahmen viel länger dauerten, als ich geplant hatte. Wir folgten Dave, befragten ihn zu einzelnen Gemälden, staunten über Skulpturen, erkannten den oscargekrönten Alien, fühlten uns je nach Sujet angesprochen, abgeschreckt oder irritiert.

Dreharbeiten: Aufnahmen im Tonstudio und Bandprobe

Von Mäke Kappeler hatte ich den Tipp an einem warmen Sommertag bekommen: Ich hatte ihn nach einem Musiker gefragt, der bereit wäre, in meinem Film mitzuwirken. "Michael Sele von The Beauty of Gemina", sagte er sofort, "ich werde ihm gleich mailen und von deinem Projekt erzählen." Kurzerhand kaufte ich all die CDs der Band. Immer und immer wieder hörte ich mir die Stücke an, einige mit hartem Beat, andere mit feinen, leisen Klängen, alle jedoch mit berührenden, aufrüttelnden und abgründigen Texten. Die Musik gefiel mir sehr gut. Nachdem ich Michael in Chur in einem Gartenrestaurant getroffen hatte und er einverstanden war, einer der Mitwirkenden meines Films zu werden, hörte ich auf dem Heimweg im Zug immer wieder seinen Song "Victims of Love". Der Chor am Schluss des Stücks liess meine Unterarmhärchen zu Berge stehen. "Dazu möchte ich einmal meinen Trailer schneiden", dachte ich mir, fragte Michael, ob ihm das Recht sei - und das war es!
Anfang Oktober 2013 nahm Michael Sele mit seinen Bandkollegen in einem Tonstudio in Hannover sein neues Album "Ghost Prayers" auf. Bea und ich filmten sein virtouses Gitarrenspiel, interviewten ihn, nahmen den Drummer Mac Vinzens und den Gitarristen Marco Gassner auf sowie die Besprechung mit dem Tontechniker am Mischpult. Im Februar 2014 folgte die Bandprobe im Alten Kino Mels, die wir als weitere Szene in den Film aufnahmen. Die kreative und konzentrierte Energie der Band - neu mit Bassist Dave Meier -  Michaels Multitalent als Sänger, Pianist und Bandleader sowie die neuen Stücke aus "Ghost Prayers" packten uns.

Dreharbeiten: Lack & Leder / Fliessende Farben

Als ich Anuschka an einem sonnigen Nachmittag in einer Pizzeria kennenlernte, spürte ich sogleich, dass ich eine vielseitige und vielschichtige Frau vor mir hatte, nahm ihre Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit wahr. Unser Gespräch bewegte sich bald in tiefen Ebenen. Während ich versuchte, herauszufinden, ob sie für meinen Film in Frage kam, war sie dabei, abzuschätzen, ob sie diesen Weg in die Öffentlichkeit wagen wollte. Denn Anuschka ist nicht nur in einer Ausbildung zur Mallehrerin, sondern arbeitet daneben auch als Domina. So musste dieser Schritt gut überlegt werden, denn uns beiden lag es fern, aus ihrer Tätigkeit etwas Reisserisches oder Sensationslüsternes zu machen. Am Schluss unseres Treffens sagte sie zu, was mich sehr freute. Bea und ich fuhren bald darauf schwer beladen mit Stativen, Leuchten und mehreren Kameras in die Fetish-Halle, in der Anuschka ihren nächtlichen Job ausübt, der für sie viel mehr als nur ein Job sei, wie sie sagte, sondern einem Teil ihres Inneren entspräche. Ich selbst hatte noch nie Kontakt zu dieser Szene, vieles, das ich sah, war mir unbekannt, immer wieder musste ich fragen, wozu dieses oder jenes diente, was ab und zu für Gelächter sorgte. Zwei maskierte Männer stellten sich für die Aufnahmen zur Verfügung, und Anuschka wirkte genau so, wie man sich eine Domina vorstellt: resolut und streng.
Die nächsten Dreharbeiten mit unserer Protagonistin waren das pure Gegenteil: Ein helles Malatelier am Bodensee, warme Farben, weisse Leinwände und Anuschka, die ins Malen eines neuen Bildes vertieft war. "Beides gehört zu mir", sagte sie. Sie könne und wolle sich nicht für eine Seite entscheiden, und wer sie in eine Schublade stecken wolle, würde scheitern. Hier erlebten Bea und ich eine ganz andere Frau: mit Leichtigkeit und kreativer Freude gab sie sich ganz der Malerei hin, keine Spur von Dominanz war mehr vorhanden. Das Interview, das wir kurz darauf mit ihr führten, trug zusätzlich dazu bei, die verschiedenen Anteile von Anuschka aufzuzeigen.
Mehrere Male wurde ich darauf angesprochen, ob es für die Gothic-Szene nicht nachteilig sei, eine Domina zu portraitieren. Aussenstehende, die sowieso schon Vorurteile hätten, könnten denken, alle Goths hätten etwas mit SM zu tun. Darauf konnte ich nur antworten: In meinem Film kommt auch ein Musiker vor, obwohl nicht alle Gothics musizieren, eine Autorin wirkt mit, obwohl nicht alle in der Schwarzen Szene Bücher schreiben, einer der Protagonisten ist Dachdecker, was wohl nur wenige andere sind. Ich traue dem Filmpublikum zu, die dargestellten Personen als Individuen wahrzunehmen. Oder andersherum: Wer seine Vorurteile behalten will, wird das sowieso tun. Mich persönlich faszinieren Menschen mit vielen Facetten.

Dreharbeiten am Schwarzen Ball

Inahea, die wir als Allererste in Leipzig kennen gelernt hatten, stieg aus dem Tram am Limmatplatz in Zürich, ging mit schwarzem, wallendem Mantel Richtung X-tra Club, wo bereits eine Schlange Leute wartete. Bea mit Kamera hinterher, ich mit zweiter Kamera bereit für Zusatzaufnahmen. Der "Schwarze Ball" fand statt - zweimal im Jahr ein rauschendes Fest mit Live-Konzerten und Lightshows, was für jede Filmemacherin eine wahre Freude ist. Und das war genau das Problem: Die Stimmung war so locker, die Atmosphäre so freundlich, die Musik so stark, dass ich mich immer wieder ermahnen musste, nicht in all den Eindrücken zu versinken, sondern geeignete Aufnahmen zu machen. Ohne, dass wir uns abgesprochen hätten, tauchte ein Protagonist unseres Films nach dem anderen auf. Es spielte die belgische Band "Front 242" und die italienische Band "Kirlian Camera", alle Bandmitglieder lernte ich kurz kennen, und alle waren einverstanden, gefilmt zu werden. Es wurde sehr spät für Bea und mich, doch ich konnte es nicht lassen, die halbe Nacht zuhause die Aufnahmen anzuschauen.

Dreharbeiten: Strasseninterviews

Ich hab's versucht, wirklich, ich hab mir alle Mühe gegeben. Ich wollte wissen, was "die Leute von der Strasse" über die Gothic-Szene denken. Kennen sie sie? Fürchten sie das Fremde, sind sie neugierig, offen, abschätzig oder neutral? Mit der Kamera bin ich auf Passanten zugegangen und habe sie danach gefragt. Was herausgekommen ist? Nichts. Entweder sie wollten keinen Mucks vor der Kamera sagen, winkten entnervt ab mit den Worten: "Mit so was kann ich nichts anfangen", oder sie ignorierten mich schlichtweg, als wollte ich sie für eine Sekte begeistern oder zu einer Unterschrift für eine politische Sache überreden oder weiss der Geier was. Ganz klar fehlte mir die nötige Durchsetzungskraft, um zu meinen gewünschten Statements zu gelangen. Da half nur eins: Lia De Luca, eine Kollegin von mir, Filmemacherin und Kamerafrau mit einem gesunden Selbstvertrauen. Ob sie diesen Part übernehmen wolle? Ja, das wollte sie! Tagelang ging sie auf die Pirsch, sprach Wildfremde auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen an und brachte eine wunderbare Ausbeute an lustigen, berührenden, erschreckenden und komischen Aussagen, die ein kleiner, aber feiner Teil dieses Films werden.

Dreharbeiten: Die Autorin im Wald

Eine Autorin in meinem Film zu haben, ja, das wollte ich unbedingt. Doch wie fand ich die? Ich googelte "dark", "schwarz", "Gothic" und "Schriftstellerin", doch irgendwie wurde ich nicht fündig. Dann half mir Markus "Mäke" Kappeler, der Betreiber des X-tra Clubs in Zürich, indem er mir von Patricia Scheurer erzählte. Ich nahm Kontakt mit ihr auf, erfuhr von ihrem Manuskript "Schwarzes Erbe", fragte, wie sie beim Schreiben vorgehe: mit Plan? Aus dem "Bauch heraus"? Autobiografisch oder fiktiv? Ob sie eine Message habe oder unterhalten wolle? Oder beides? Vieles kannte ich von meiner eigenen Schriftstellerei her, einiges tat Patricia aber ganz anders. Erneut hatte ich eine Protagonistin gefunden, eine, mit der ich mir gut verstand und mit der ich mich aufgrund unserer Tätigkeiten verbunden fühlte.
Bei den geplanten Dreharbeiten im Wald, wo Patricia Scheurer jeweils Ideen für ihre Geschichte findet, konnte ich wegen Krankheit nicht dabei sein. So ging Bea allein los, in der Tasche das Storyboard mit den gewünschten Bildern: Der Aufstieg den Waldweg hinauf, die Ruine, Patricia beim Sammeln von Holz, beim Entfachen des Feuers, beim Notizen machen. Hin und wieder schickte mir Bea eine MMS, so dass ich, obwohl zu Hause, Anteil an den Dreharbeiten nehmen konnte. Bei den Aufnahmen in Patricias Schreibzimmer war ich hingegen anwesend. Die Autorin tippte ihre handschriftlichen Texte ab, nachts, bei Kerzenschein, so wie sie es immer tut. Für einige der Bilder waren akrobatische Einlagen nötig, andere waren gemütlich vom Stuhl aus möglich. Ein vertrautes Gefühl, einer Autorin über die Schulter zu schauen! Und selbstverständlich habe ich den Roman "Schwarzes Erbe" gelesen, in dem es um einen okkulten Zirkel im Mittelalter geht, um die heutige Gothic-Szene, um Liebe, Verrat, Betrug und Leidenschaft. Und der nach einer Fortsetzung schreit.

Planung und Storyboard

Ich hatte schon einige Mitwirkende für meinen Film gefunden, erste Interviews gemacht, Rohschnitte von einzelnen Szenen gestaltet - nun brauchte ich einen grösseren Überblick: Wohin würde mich der Film führen? Wie wollte ich ihn aufbauen? Chronologisch, assoziativ, chaotisch? Ein Dokumentarfilm ist einerseits planbar, andererseits nicht. Vieles kann zum Voraus bestimmt werden: Wo möchte ich filmen, wen will ich interviewen, was werden die Schauplätze sein, welche Akzente setze ich, was lasse ich weg? Doch wo Menschen beteiligt sind, agieren und reagieren diese nach ihren eigenen Regeln. Jemand erzählt mir beim Erstgespräch eine wunderbare Anekdote, einen treffenden, witzigen oder berührenden Satz, ich wünsche mir, er oder sie würde diese vor laufender Kamera wiederholen, doch leider passiert das nicht? Soll ich nachhaken, pushen oder das Ganze sausen lassen? Ach, ein paar Mal ist mir das passiert und ich trauere den Aussagen jetzt noch nach. Aber weg sind sie... Anfang Herbst nun folgte ein Phase der Planung, in der ich farbige Karteikärtchen zusammenstellte, bereits erfolgte und kommende Dreharbeiten so kombinierte, dass der Film nicht nur Bilder zeigt, sondern eine Geschichte erzählt.

Dreharbeiten: Das Liebespaar

Eigentlich hatte ich Carmilla Noctem und ihren Freund Dani als "Nebenfiguren" geplant. So unschön dieses Wort klingt, so gibt es doch das wider, worum es im Film geht: Die Geschichte wird von Hauptfiguren getragen, alle weiteren unterstützen diese im Sinne der Vielseitigkeit, haben aber keinen eigenen Handlungsstrang. Hauptperson war in diesem Fall Chris, der Fotograf. Doch das Aargauer Paar vom Friedhof liess mich nicht mehr los. Waren es vielleicht doch keine "Nebenfiguren"? Ich fragte sie an: "Möchtet ihr in meinem Film eine grössere Rolle spielen?" Die Antwort folgte bald: Ja, das wollten sie gern. So filmten Bea und ich mehrere Szenen zwischen August und November 2013 mit den beiden. Als erstes ihren "Alltag", etwas, das, wie wir noch erfahren sollten, von vielen Aussenstehenden für unmöglich gehalten würde: Gemeinsames Aufstehen, Kaffeekochen, Frühstücken, danach individuelles Zur-Arbeit-Fahren. "Was, die haben einen regelmässigen Tagesablauf? Die arbeiten?", hörte ich nämlich schon bald jemanden auf der Strasse ausrufen, den ich dazu befragte, ob er die Gothic-Szene kenne, und falls ja, was er von ihr halte. (Mehr darüber beim Eintrag vom 1. Oktober 2013)
Nun also, Carmilla Noctem und Dani arbeiten unter der Woche. Regelmässig und verlässlich. An Wochenenden tanzen sie an Parties ab und besuchen Konzerte. Carmilla hat eine leitende Stelle als Pflegefachfrau, Dani ist Dachdecker. Nachdem ich die Drehbewilligungen erhalten hatte, folgten als erstes die Aufnahmen mit Dani. In aller Herrgottsfrühe fuhren wir Ende August mit ihm und seinem Kollegen zu seinem aktuellen Arbeitsplatz, einem Einfamilienhaus auf dem Land. Flink kletterte Dani auf das Hausdach, schraubte, hämmerte und brachte meterlange Holzlatten in die richtige Position. Bea balancierte mit der Kamera auf dem Gerüst herum, blieb ihm dicht auf den Fersen und fing die besten Szenen ein. Ich stand unten auf dem sicheren Boden (Höhenangst lässt grüssen) und gab Bea Tipps, von welchem Winkel aus sie optimale Bilder aufnehmen könnte. Bald darauf folgten die Dreharbeiten an Carmillas Arbeitsplatz, einem Altersheim, wo sie den äusseren Wandel von Schwarz nach Weiss vollzog und sich warmherzig um die Bewohnerinnen kümmerte.

Dreharbeiten: Fototour auf dem Friedhof

Im Sommer lernte ich den Fotografen Chris kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut, und ich freute mich, nach Inahea meinen zweiten Protagonisten gefunden zu haben. Chris war motiviert, uns einen Einblick in sein Schaffen zu gewähren. Nach einem stündigen Interview bei ihm zuhause und Aufnahmen in einer alten Fabrik mit dem Model namens Fräulein Kassandra planten wir Anfang August Dreharbeiten in einem verwunschenen Friedhof am Vierwaldstättersee. Als Darkstyle-Fotograf wählt Chris Menschen und Schauplätze aus, die ihn ansprechen, und Settings, die ausgefallen und bizarr sein dürfen, die aber eine gewisse Grenze nicht überschreiten. Gruselig und etwas blutig darf's daherkommen, doch Gewalt- oder Sadomaso-Szenen gehören nicht zu seinem Repertoire. Die Models Carmilla Noctem und ihr Freund Dani seien einverstanden, während des Foto-Shootings von uns gefilmt zu werden, hatte uns Chris mitgeteilt.
Vom Westen her zogen dicke, schwarze Wolken auf, doch noch war es sonnig, als Bea und ich ankamen. Die Stätte war eindrücklich mit einer alten Kapelle, schräg in der Landschaft stehenden, von Moos überwachsenen Grabsteinen und keltischen Kreuzen mit verwitterten Namen und Freimaurer-Symbolen. Es roch nach feuchter Erde, Laub und Tannenholz, in der Ferne bimmelten Kuhglocken. Der Fotograf kam uns mit seiner umfangreichen Ausrüstung entgegen, mit ihm seine Models im Viktorianischen Look. Chris erzählte von seiner Idee, eine Trauernde am Grab darzustellen und im Hintergrund ihren verstorbenen Gatten als durchschimmernden Geist.
Carmilla Noctem und Dani platzierten sich neben einem Grabstein, sie mit dezent leidendem Gesichtsausdruck, er möglichst geisterhaft. Klick, klick, klick, machte es, und die Blitze des Fotoapparates flackerten fast zur gleichen Zeit auf wie die ersten Blitze am Himmel. Das Gewitter kam näher. Bea lief hinter Chris her, portraitierte seine Arbeit von allen Seiten, schwenkte zu Carmilla Noctems Gesicht in Nahauftahme, blieb an Danis geflochtenen Ziegenbärtchenzöpfchen hängen, an denen Jack Sparrow die reinste Freude gehabt hätte. Chris knipste, ich gab Bea filmische Anweisungen, die sie umsetzte oder auch nicht, wenn sie etwas Besseres entdeckte. Klick, klick, klick. Blitz, Blitz, Blitz. Der Himmel wurde dunkelgrau. Passender konnte man es sich für ein Friedhofsshooting nicht vorstellen. Noch einige Aufnahmen unter dem Torbogen, Carmilla Noctem und ihr ehrwürdiger Gemahl im Halbdunkel, die Liebenden wieder lebendig und vereint. Die dichten Wolken waren inzwischen fast schwarz.
In Sekundenschnelle prasselte der Regen durch das Nadeldach der Tannen auf den Friedhof. Schwere Tropfen, die in der Erde versickerten und bald darauf in Bächen zwischen den Gräberreihen hindurchliefen. Schnell brachten wir die elektronischen Geräte bei der Kapelle ins Trockene. Dann standen wir nebeneinander unter dem grossen Torbogen und betrachteten das Unwetter. Alles war auf die Sekunde aufgegangen. Chris hatte sein Foto-Shooting durchziehen können, Bea hatte genau die Filmaufnahmen geschafft, die ich mir erwünscht hatte. Sogar ein kurzes Interview mit Carmilla Noctem hatte ich machen können, auch wenn ihre letzten Sätze im Regen untergegangen waren. Als der Niederschlag etwas nachliess, fuhren wir mit einem Taxi nach Luzern, wo wir uns in einer Pizzeria erschöpft, aber zufrieden zurücklehnten. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass die anderen Restaurant-Gäste leicht irritiert wirkten, als sie uns sahen: Ein triefnasses, schminkeverschmiertes, in seltsame Kleider gehülltes Grüppchen, das mit Heisshunger Pizzas verschlang.
http://darkstyle-fotografie.jimdo.com

Dreharbeiten am WGT: Filmrausch am Festival

Tags darauf trafen wir Inahea, zusammen mit ihrer Tochter (ganz in weiss) und den Reisegefährten vor dem Park. Bea und ich, bepackt mit Kameras, Stativen und Mikrophonen, stapften den anderen hinterher durchs Gras, bis wir eine geeignete Stelle für unser Interview gefunden hatten. Auf einer der unzähligen Brücken konnten wir Inahea in Ruhe befragen und filmen, bis alles "im Kasten" war. Dann tauchten wir in die Menschenmenge ein. Ein friedlicheres Beisammensein hatte ich selten zuvor erlebt. Tausende von Schwarzgekleideten sassen auf der Wiese, tranken, assen, plauderten. Von Rokoko, Barock, Romantik über Steampunk, Metal und Nietenlook war alles vertreten, wenngleich das Klassische überwog. Alle hatten sich herausgeputzt, etliche Unikate von Anzügen, Reifröcken, Hütchen, Handtäschchen und Westen sahen nach stundenlanger Handarbeit aus. Grosse Augen schauten geheimnisvoll unter Schleiern hervor, edle Herren in Zylindern wandelten mit spitzengeschmückten Damen durch die Anlage, breiteten Wolldecken aus, nahmen Früchte, Brote, Wein und Käse aus ihren Körben, tischten auf und machten es sich gemütlich. Von antiken, handbetriebenen Plattenspielern war Cello-Musik zu hören, vermischte sich mit den harten Bässen aus den Ghetto-Blastern nebenan. Dazwischen Gelächter, Küsschen, Gläserklirren und deutsche, italienische, holländische, dänische und andere Gesprächsfetzen. Halb Europa schien angereist zu sein. Die unzähligen Fotografen, die hemmungslos um die Picknickenden herumscharwenzelten, wurden von diesen stoisch hingenommen.
Bea und ich fragten, ob wir filmen durften – und wir durften. Niemand reagierte verärgert, keiner wehrte uns ab. Manche posierten mit offensichtlichem Vergnügen, andere waren schüchterner. "Das reinste Schaulaufen", kommentierte einer selbstkritisch. "Der Höhepunkt des Jahres!", widersprach seine Begleiterin lächelnd. Die Stunden vergingen, die Kameraspeicher füllten und die Akkus leerten sich. Am Abend waren wir aufgekratzt und fühlten uns reich beschenkt. An Schlaf war nicht zu denken. Alle Daten mussten über Nacht besichtigt, kontrolliert und auf unseren Reise-Laptop geladen werden.
Am nächsten Tag ging's weiter, übernächtigt, aber zufrieden. Konzertbesuche standen auf dem Programm, die Agra-Halle wartete, weitere Kurzinterviews und Portraits waren angesagt. Als wir den Sänger der Band "Elandor" vor seinem Konzert fragten, ob wir ihn aufnehmen dürften, war er einverstanden. Auch die Band "Circular" gab uns das Ok, einen Song von ihnen für unseren Film zu verwenden. Diese Grosszügigkeit und Unkompliziertheit empfand ich als aussergewöhnlich, sollte aber noch erfahren, dass sie in der Szene sehr verankert ist.
Nach diesem intensiven Tag am Wave-Gotik-Treffen wusste ich: Dies würde ein Dokumentarfilm werden. Und er würde im Kino laufen. Wie im Rausch filmten wir weiter, liessen uns in der Menge treiben, sogen die Stimmung auf, tankten Musik, fanden bereitwillige Festivalbesucher, die sich ablichten liessen, sammelten schillernde Close-ups, intime Nah- und imposante Grossaufnahmen. Fünf Tage lang. Tausende von Einzelbilder. Stunden von Material. 250 Gigabite.

Dreharbeiten am WGT: Eintauchen ins Schwarze Leipzig

Wieder waren einige Jahre vergangen. Ich hatte inzwischen ein Dutzend Bücher veröffentlicht, diverse Ausstellungen gemacht und zusammen mit Bea eine einjährige Filmausbildung absolviert, in welcher ich den Dokumentarfilm "Vier Frauen und der Tod" produzierte, der in verschiedenen Schweizer Kinos gezeigt wurde. Es war zwei Wochen vor Pfingsten. Plötzlich erinnerte ich mich wieder an das Wave-Gotik-Treffen, das ich vor sechs Jahren erlebt hatte. Kurzentschlossen kaufte ich für Bea und mich Fahrkarten nach Leipzig. Ein neues Projekt lockte. Ohne Plan fuhren wir los, nur mit der vagen Vorstellung, spannende Aufnahmen am WGT zu machen. Im Hinterkopf hatte ich zwar den Gedanken, daraus könnte ein Dokumentarfilm werden, aber vorerst verfügten wir weder über Mitwirkende, noch über ein Drehbuch, geschweige denn über ein Filmbudget. Alles, was wir hatten, war eine Idee. Die sich absolut knackig anfühlte.
Unterwegs im Zug, irgendwo zwischen Frankfurt und Eisenach, hörten wir aus dem Nebenabteil Gespräche und Gelächter. Als wir uns umdrehten, entdeckten wir ein "schwarzes Grüppchen", das ebenfalls auf dem Weg zum WGT war. Die vier Frauen und zwei Männer spielten Karten und schwatzten Schweizerdeutsch. Ich fasste mir ein Herz und fragte sie, ob wir sie interviewen dürften. Sie guckten leicht verdutzt, sagten aber zu. Bea holte die Kamera hervor, ich stellte ein paar Fragen und merkte im gleichen Moment, dass diese Aufnahmen keinen Oscar gewinnen würden. Das schien auch der schlanken, blonden Frau namens Inahea bewusst zu sein, die uns anbot, sie doch besser am nächsten Tag nochmals zu interviewen. Dann werde sie ihre schönen Kleider tragen und der Hintergrund – das "Viktorianische Picknick" im Clara-Zetkin-Park – verspräche ein passenderes Ambiente als der schaukelnde Bahnwagen. Wie Recht sie hatte. Wir tauschten Handynummern aus und verabschiedeten uns.

Ein halbes Jahr in Leipzig: Der Funke springt

Viele Jahre später – ich war nach mehreren Reisen, Ausstellungen und veröffentlichten Büchern als freie Journalistin, bildende Künstlerin und Autorin tätig – bekam ich die Möglichkeit, ein halbes Jahr als Krimistadtschreiberin in Leipzig-Lindenau zu leben und zu arbeiten. Der Auftrag lautete, einen Krimi zu verfassen, der vor Ort spielte. Ich schlug vor, eine mit Fotos illustrierte Story zu liefern, damit meine Freundin Bea Huwiler, die als Fotografin arbeitete, ebenfalls in den Genuss des Stipendiums käme. Die Idee wurde aufgenommen. Wir reisten an einem kalten Aprilabend an, wurden im Dachgeschoss des Pfarrhauses einquartiert, wo wir die nächsten sechs Monate verbringen würden. Unter uns wohnte die Pfarrfamilie, die uns warmherzig willkommen hiess. Wir recherchierten, fotografierten und schrieben. Wir erkundeten verfallene Fabriken, leerstehende Hallen, überwucherte Innenhöfe. Wir entdeckten Spuren des Krieges, Hässlichkeiten der DDR und spannende Zwischen- und Nischenprojekte, die nach dem Mauerfall überall entstanden waren. Diese Ecke Leipzigs bot alles, was sich Kunstschaffende erträumen konnten – Geheimnisvolles, Dunkles und Vergessenes. Unser Krimi "Der Spinner von Leipzig" nahm Form an.
Im Stadtteil Leipzig-Lindenau, der damals auf der Kippe stand, entweder von Neo-Nazis vereinnahmt zu werden oder sich zum Trend-Quartier zu mausern, erregten wir Aufmerksamkeit. Zeitungsredakteure meldeten sich, interviewten uns und schrieben Rezensionen unseres gemeinsamen Buches, noch bevor es gedruckt war. Bald nahm der Verleger eines kleinen Independent Verlags Kontakt mit uns auf. Er würde unseren Krimi in sein Programm aufnehmen, wenn wir das wollten, bot er uns an. Ja, wir wollten. Wir trafen ihn und lernten einen netten, schwarz gekleideten Mann kennen, der lauter nette, schwarz gekleitete Freunde hatte, die lauter schauerliche, schwarze Geschichten schrieben, die in schwarzen Läden verkauft wurden. Mein bereits schwarz gestalteter Buchumschlag passte perfekt dazu.
Zu Pfingsten wurde die ganze Stadt schwarz. Tausende von Goths strömten nach Leipzig, überall fanden Konzerte, Mitternachts-Lesungen, Friedhofführungen, grauslige Ausstellungen, makabre Theaterstücke und andere zappendustere Events statt. "Was um alles in der Welt ist das denn?", wollte ich wissen und konnte meine Begeisterung kaum zügeln. Unsere liebenswürdige Pfarrfamilie teilte uns mit, das sei natürlich das Wave-Gotik-Treffen (WGT) wie jedes Jahr um diese Zeit. Sie selbst fänden es wunderbar, genauso wie der Grossteil der Leipziger Bevölkerung. Nun sprang der Funke endgültig. Bea und ich tauchten ins Getümmel ein, sie mit Fotoapparat, ich mit Schreibblock, um Notizen für unseren Krimi zu machen. Das Buchkapitel, das am WGT spielte, musste ich allerdings später wieder streichen, da es zwar bildreich war, aber in der Story leider keinen anderen Zweck erfüllte als eben den: bildreich zu sein. Und das genügte nicht. Die Lektorin in mir, die sich an den Spruch "Kill your darlings" hält, war da radikal.
Nachdem "Der Spinner von Leipzig" fertig geschrieben und gedruckt war, hatte ich oft Lesungen in Schwarzen Szenelokalen (in denen Bea ihre Fotografien ausstellte), lernte viele sympathische Gothics kennen und dachte, als wir wieder zurück in der Schweiz waren: "Schade, gibt es diese Szene bei uns nicht." Hab mich selten so getäuscht.

Die Anfänge

Nein, es war nicht haargenau am 1. Januar, vielleicht nicht mal 1980, sondern ein paar Jahre früher, aber diese Webseite lässt kein anderes Datumsformat zu ;-). Irgendwann hatte mich die Musik gepackt. Ich hörte stundenlang John Miles' "Music",   versank zu "The end" von den Doors, kannte jede Strophe von "Bohemian Rhapsody" von Queen auswendig, liess mich von "Somebody called me Sebastian" von Cockney Rebel in den Strudel reissen und tanzte zu "London Calling" von The Clash. Ich las Hesse, Kafka und "Der Fänger im Roggen". Ob ich nun Hippie, Punk, Rebell oder introvertierte Träumerin war, wusste ich nicht genau, vermutlich ein bisschen von allem. Das Düstere zog mich magisch an. Zu viel Harmonie misstraute ich. Je tiefschürfender das Thema war und je mehr es mit dem Tod zu tun hatte, desto eher musste ich es ergründen. Das ist bis jetzt so geblieben. Zum Glück bin ich heute nicht nur Filmemacherin, sondern auch Krimiautorin und kann mit der Beschreibung menschlicher Abgründe meine Miete bezahlen.
Die Ursache für meinen Hang zum Morbiden sei mein Sternzeichen Skorpion, raunte mir vor Jahren eine Astrologin für 100 Franken zu und wankte dabei bedeutungsschwanger mit dem Kopf. Eine Psychologin hingegen sah (für 120 Franken) pränatale Traumas als Grund meines ausgeprägten Charakterzuges. Ein esoterisch angehauchter Kollege von ihr widersprach vehement und bestand darauf, es seien karmische Verstrickungen, die mich empfänglich für die Schattenseiten des Lebens machten (150 Franken). Aus nicht nachvollziehbaren Gründen habe ich in meiner Jugendzeit die Gothic-Szene nicht kennengelernt. Irgendwie ist sie spurlos an mir vorübergezogen, dabei wäre es wohl diejenige Subkultur gewesen, der ich mich zugehörig gefühlt hätte. So musste ich ohne Zugehörigkeit durchs Leben gehen und fast dreissig Jahre warten, bis ich während eines halbjährigen Aufenthaltes in Leipzig Kontakt zur "Schwarzen Szene" bekam. Und von der ersten Sekunde an fasziniert war.